Die Probleme des Videospieljournalismus

Seit über drei Jahren beschäftige ich mich nun mit dem Thema des Videospieljournalismus. Natürlich besuche ich dafür auch des Öfteren andere, große Onlinezeitschriften. Leider ist mir dabei eins aufgefallen, die meisten sind kacke.

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Ich werde hier hauptsächlich zum englischsprachigen Videospielbereich Stellung nehmen, da ich eher selten deutsche Seiten besuche. Natürlich sind auch Spieletipps, Gamestar und Co. nicht perfekt, folgende Beispiele haben aber eine viel größere Leserschaft und die Probleme sind damit noch deutlicher zu erkennen.

Es gibt keine richtigen Nachrichten

Die Welt der Videospiele ist vielseitig und lebendig, da erwartet man viel gutes Material, über das man berichten kann. Viel zu berichten gibt es auch, jedoch sind die meisten Neuigkeiten keine Schlagzeile wert. So ergibt es sich, dass Onlinemagazine wie Kotaku und Polygon (letzteres wird hier noch öfters erwähnt) an „guten“ Tagen bis zu 10 Artikel veröffentlichen, diese berichten aber meistens über Kleinigkeiten und liefern nicht genug Stoff für einen vollen Beitrag.

Unbenannt

Am 6. Juli gab es wieder viel zu berichten

Alles für die Klicks

Natürlich will man für seine Seite viele Klicks, denn Klicks bedeuten Geld. Und wenn ich eins währen meiner Zeit bei gameZINE gelernt habe, dann, dass man die Kunst des Clickbaits erlernen muss, um an Klicks zu kommen. So habe ich aus den analytischen Grafen der Seitenbesuche das perfekte Stichwort und die perfekte Zeit für einen Artikel herausgefunden und damit einen ziemlich sinnlosen Artikel verfasst, den ich nicht mal probegelesen habe. Aber siehe da, dieser Artikel hatte mit Abstand die meisten Klicks, die ich je hatte. Das ganze Clickbait Zeugs hat mir aber nicht sonderlich gefallen und ich versuche seither auch solche Praktiken zu vermeiden. Kotaku hingegen scheint kein Problem damit zu haben.kotakuclickbait

Sie nehmen einfach eine kontroverse Behauptung über ein Thema ihrer Wahl und fügen „And That’s A Good Thing“ hinzu und schon will jeder sehen, warum dem so ist. (Auch wenn die Begründungen meist wenig bis keinen Sinn ergeben)

Die eigene Agenda

Die Aufgabe von Medien ist es unvoreingenommen und neutral über die Geschehnisse der Welt zu berichten. Aber wenn man mit seiner Medienplattform unzählige Menschen erreichen kann, nutzt man diese gerne dazu, seine eigene Agenda in Vordergrund zu rücken. Polygon ist in dieser Hinsicht besonders schlimm. Hier zwei Beispiele:

Streamerin Amouranth

Folgender Bericht über die Twitch-Streamerin Amouranth:

https://www.polygon.com/2018/6/27/17506414/amouranth-twitch-thot-streamer-cosplayer-alinity-backlash

Hierbei geht es um das Problem, dass immer mehr weibliche Streamer auf Twitch als „Thots“ (Flittchen, Schlampe) bezeichnet werden. Schnell werden die zwei Standpunkte des Autors klar. PewDiePie, der das ganze unfreiwillig gestartet hat, wird als Sündenbock dargestellt und das „Opfer“ Amouranth ist komplett unschuldig. Zu ersterem werde ich nicht Stellung nehmen, auf die Rolle des unschuldigen Opfers jedoch schon.

A rumor about Amouranth being married therefore hinders that relationship because her audience who has built a relationship with her feels cheated.

Dieser Satz ist so dumm, ich konnte nicht glauben was ich las. Er ist sogar auf zwei ebenen dumm. Erstens ist er eine Lüge und zweitens widerspricht er einem Argument, das im selben Artikel steht.

Es soll ein Gerücht über eine vermeintliche Ehe der Streamerin geben. Leider ist dies kein Gerücht, sondern eine Tatsache.

“People don’t donate to me because they think it improves their chances with me in some romantic way […]“

Dieser Satz steht auf der gleichen Seite wie der obige, beide widersprechen sich.

Weegee Plays

Hierzu möchte ich nicht viel sagen, da der YouTuber/Streamer Weegee Plays dazu selbst ein Video veröffentlicht hat.

 

Es geht im Prinzip darum, dass Weegee das Spiel Sonic Forces in unter drei Stunden durchgespielt hat und das Spiel anschließend bei Steam zurückgegeben hat. Nicht schlimm, habe ich auch schon oft mit all den schlechten Horrorspielen getan.

Polygon hatte damit aber ein Problem. Sie fanden dieses Verhalten auf moralischer Ebene abstoßend und wollten daraufhin eine Stellungnahme des YouTubers. Dieser beantwortete auch ihre Fragen. So weit so gut. Jetzt wirds aber lustig.

Der Artikel ging nach Ende des „Interviews“ innerhalb kürzester Zeit online, was darauf schließen lässt, dass er schon vorher geschrieben wurde und die Antworten von Weegee Plays je nachdem wie es passt einfach eingefügt wurden. Zu allem Überfluss war er auch noch mit Lügen und Fehlinformationen gefüllt.

Ich fand dies so lächerlich aber gleichzeitig schockierend, dass dieses Video sogar der Auslöser für diesen Beitrag hier ist.

Angst vor Kritik

Wenn man etwas im Internet veröffentlicht wird es auch Leute geben, die den eigenen Ansichten widersprechen und dies auch öffentlich in Form von Kritik und Kommentaren wiedergeben. Bei mir ist jede Kritik willkommen und Kommentare werden nur gelöscht, wenn sie hassverbreitend oder einfach nur hirnloser Spam sind. Polygon scheint da etwas sensibler zu sein. Ihr Editor in Chief nahm dazumal ein Gameplay Video zu DOOM auf. Er war nicht besonders gut im Spiel und erntete dafür etwas Kritik und viele Lacher. Wie wurde darauf reagiert? Kommentare unter dem Video wurden deaktiviert, die Like-Dislike Anzeige versteckt und jeder, der ihn auf Twitter darauf ansprach wurde blockiert.

Auch auf Polygons Website wird solches Verhalten gezeigt, hier ein Ausschnitt aus ihren Community Guidelines:

polygoncommunitymoderatino

Kurz gesagt: Solange ihr das sagt, was uns gefällt und uns nicht kritisiert, dürfen eure Kommentare auf unserer Seite stehen bleiben.

Eine solche Unfähigkeit zur Kritik ist einfach nur feige und traurig.

Hier möchte ich noch sagen, dass Polygon nicht der einzige Grund ist, warum Videospieljournalismus einen solch schlechten Ruf hat. Jedoch sind sie die wohl schlimmsten Übeltäter.

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3 Gedanken zu “Die Probleme des Videospieljournalismus

  1. Leider wahr. Ich kenne keine Sparte, die so viel mit Clickbaits und Überdramtisierung arbeitet, wie die Videospiel Journalismus Branche. Früher war es ja so: Alle paar Wochen ist eine Videospiel Zeitung erschienen, in der alle wichtigen Fakten zusammengetragen wurden. Alles übersichtlich und informativ. Heute ballert jeder täglich 1000000 Fakten, Informationen und Vermutungen raus, dass der User erstmal gezwungen ist, stundenlangen zu filtern. Hinzu kommt, dass der Markt mittlerweile gesättigt ist von solchen Journalisten und jeder mit einer noch krasseren Story um die Ecke kommen muss, um das Publikum zu polarisieren. Das trifft im Grunde auf jedes Medium zu, sei es in der Politik, Wirtschaft oder im Sportbereich. Aber in der Gaming Branche gibt es nochmal mehr Journalisten, weil Internet und Gaming nun mal zusammenhängen, weshalb es hier auch nochmal eine Stufe härter ist. Außerdem ist es wie du sagst: da die großen Spiele meist nur alle Jubeljahre erscheinen, wird viel über uninteressante Dinge debattiert, wie die nächste lustige Verkleidung von Pikachu in Pokemon Go oder warum uns die zehnte Portierung von Skyrim so nervt, was nun auch schon 100 mal diskutiert wurde.

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    • In den modernen Medien wird heutzutage nach dem „it’s a dog-eat-dog world“ Prinzip gearbeitet. Entweder man erstellt den besten Clickbait auf möglichst vielen Artikeln, oder man geht in der Menge unter. Das liegt aber größtenteils auch daran, dass die Menge so groß ist, heute ist es leichter als je zuvor seine Meinungen und Geschichten zu verbreiten, man muss sich nur trauen.
      Um in dieser schier endlosen Flut von Seiten herauszustechen, muss man eben die Meile extra gehen und sich in sein Projekt reinhängen.

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      • Und das ist schon sehr zeitaufwändig. Da vermisst man die guten alten Zeiten, in denen die Medien doch schon sehr begrenzt waren. Vielleicht hat man da nicht alle Informationen bekommen, aber immerhin wurde man nicht überflutet damit.

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